Webressourcen aus Nordeuropa – Geschichte, Politik, Kultur 2 – 2026

von FID Nordeuropa

Dänemark

Neues aus dem Nationalarchiv

Von Københavns Stadsarkiv wurde ein umfangreicher Bestand an Patientenakten aus den Kopenhagener Kranken- und Armenhäusern Almindelig Hospital und Kommunehospitalet aus den Jahren 1813-1910 digitalisiert und online gestellt.

Die interaktive Ausstellung des Projekts Who We Are stellt auf der gleichnamigen Plattform u. a. Menschen aus dem deutsch-dänisch-friesischen Grenzland mit ihren Sprachen, Geschichten, Erinnerungen, Brüchen und Stärken anhand von kurzen Videoporträts, Fotos, Texten und Audiobeiträgen in den Mittelpunkt.

Island

Die Protokolle des Stadtbauausschusses (byggingarnefndar) von Akureyri aus den Jahren 1941-1959 sowie die Volkszählungen aus den Jahren 1950-1954 sind von Héraðsskjalasafnið á Akureyri auf seinem Dokumentenportal online gestellt worden. Dort sind jetzt alle Bevölkerungsregister aus Akureyri für den Zeitraum 1902-1954 recherchierbar.

Die Projekte, Bestände und digitalen Sammlungen von Borgarskjalasafn Reykjavíkur sind im März 2026 vom Nationalarchiv übernommen worden.

Norwegen

Neues aus dem Nationalarchiv

  • Das Nationalarchiv hat im Rahmen einer Auktion zehn wertvolle Diplome erworben, die aus dem Zeitraum 1368-1528 stammen. Die Diplome sind bekannt und werden in der Schriftenreihe Diplomatarium Norvegicum erwähnt. Die Originale sollen zukünftig digitalisiert und allen zugänglich gemacht werden.
  • Fast 200 Briefe und Postkarten, die während des Zweiten Weltkriegs an Vidkun Quisling (1987-1945) gerichtet waren, wurden nun im Digitalarkivet veröffentlicht.

In den Bestand des Skeivt Arkiv wurde die Briefsammlung aus dem Nachlass von Tatjana Lars Kristian Gulbrandsen (1931-2005) übernommen und wird derzeit digitalisiert. Gulbrandsen gilt als wichtiger Teil der norwegischen Mode- und der queeren Kulturgeschichte.

Neuzugang auf Kvinnehistorie.no: In der Artikelreihe Innvandrede kvinners historier wird anhand von Berichten verschiedener Frauen die norwegische Einwanderungsgeschichte aus weiblicher Perspektive geschildert. 

Schweden

Der Historiker Eric De Geer hat über einen langen Zeitraum die Geschichte und Kultur der sogenannten Sverigeingermanländarna, die als finnischsprachige Volksgruppe während des Zweiten Weltkriegs aus der Provinz Ingermanland im nordwestlichen Russland nach Schweden geflohen waren, dokumentiert. Die umfangreiche Sammlung, die Interviews, Musik, Beschreibungen der Region, persönliche Geschichten, Fotografien und Literatur enthält, wird nun im Institutet för språk och folkminnen (Isof) verwahrt und auf der Themenseite Ingermanländskt material vorstellt. Ausgewählte Materialien werden digitalisiert und zukünftig in Folke bereitgestellt.

Riksantikvarieämbetet und Lantmäteriet haben gemeinsam den E-Service Min karta weiterentwickelt, der nun mit Informationen zu über 760.000 kulturhistorischen Überresten aus dem Kulturerberegister angereichert wurde.

Es wurde eine überarbeitete Version der Sammlungsdatenbank vom Sjöfartsmuseet Akvariet lanciert. Diese präsentiert fast eine Million Objekte, Fotografien und Schiffszeichnungen, welche das Leben der Seeleute sowie die Geschichte der Hafenstadt Göteborgs dokumentieren.

Am 17. Mai 2026 wird die Datenbank Filmarkivet.se abgeschaltet. Die meisten der dort enthaltenen Kurzfilme, Dokumentarfilme, Wochenschauen und Werbespots vom Beginn des 20. Jahrhunderts ziehen auf Svensk mediedatabas (SMDB) um, die den Katalog der schwedischen Nationalbibliothek für audiovisuelles Material enthält.  Die Filme selbst können nur von Forschenden vor Ort in der Nationalbibliothek  gestreamt werden. 
 Svenska Filminstitutet plant aber im Laufe des Frühjahrs den neuen Streamingdienst Cinemateket Play zu lancieren, der eine Auswahl dieser Filme anbieten wird. 150 Filme zum Thema Sápmi können bereits jetzt auf KB Play gestreamt werden.
 

Die karibische Insel Saint-Barthélemy war zwischen 1784 und 1878 eine schwedische Kolonie. Als Schweden die Kolonie an Frankreich abtrat, verblieben die schwedischen Regierungsarchive zunächst dort und wurden später im französischen Nationalarchiv verwahrt. Mit Unterstützung von Uppsala Universitetsbibliotek hat das EU-Projekt SweCarCol die Bestände digitalisiert und in der Datenbank Swedish Caribbean Colonialism veröffentlicht. Die enthaltenen 250.000 Dokumente ermöglichen erstmals ein umfassendes Bild der schwedischen Kolonialgeschichte in der Karibik.

Nach dem Amoklauf im Bildungszentrum Campus Risbergska in Örebro am 4. Februar 2025 beschloss Örebro läns museum, das Ereignis mit Fotos, Objekten und Interviews zu dokumentieren. Die Sammlung Skolskjutningen på Risbergska – en minnesinsamling wurde auf dem Portal Minnen veröffentlicht.

Näringslivsarkiv i Norrland hat die Plattform Arkivminnen lanciert, welche Zugang zu historischen Fotos, Dokumenten und Karten aus 40 nordschwedischen Archiven von Unternehmen, Vereinen und Privatpersonen bietet.

Auf dem Portal Finspångs kommuns mediaportal  stellt Finspångs kommun Pressefotos, Filme, Gebäude- und Landschaftsaufnahmen sowie digitalisierte historische Bilder und Karten und Grafiken aus der Kommune zur Verfügung.

Zusammen mit Trafikverket haben Archäologen von Statens historiska museer eine 3D-Rekonstruktion und einen Film erstellt, die es ermöglichen, die 2.500 Jahre alte Burg Landsjö südlich von Norrköping online zu erkunden.

Ausblick

Finnische Digitalisierungsprojekte aus dem Nationalarchiv

  • In Finnland werden innerhalb der nächsten fünf Jahre über 3.000 finnlandschwedische Zeitschriften, die seit 1771 erschienen sind, digitalisiert. Neben wissenschaftlichen Zeitschriften gehören dazu auch Vereins-, Firmen- und Schulzeitschriften. Etwa ein Drittel des Materials liegt bereits digitalisiert vor, hauptsächlich die allgemeinen Zeitschriften sowie die sogenannten fronttidningar. Die vor 1974 publizierten wissenschaftlichen Zeitschriften sollen bereits Ende des Jahres in digi.kansalliskirjasto recherchierbar sein.
  • Die Archive orthodoxer Pfarreien, die hauptsächlich in russischer Sprache vorliegen, werden digitalisiert.

Schwedische Digitalisierungsprojekte

Projekte aus der Nationalbibliothek
  • Anlässlich des 400. Geburtstags von Christina von Schweden (1626-1689) digitalisiert die Nationalbibliothek die letzten 50 Titel von deren umfangreicher Handschriftenbibliothek und stellt diese auf Manuscripta.se ein.
  • Im Rahmen des RiViH-Projekts haben Riksantikvarieämbetet und die Nationalbibliothek in den letzten zwei Jahren bereits älteren Archivbestand digitalisiert. In Projektphase 2026-2028 kommt das Nationalarchiv als Projektpartner hinzu. Mit Hilfe von KI sollen Teile der institutseigenen Handschriftensammlungen digitalisiert werden.
  • Die Lokalzeitungen Westerviksposten und Västervikstidningen bis einschließlich 1930 sowie die Jahrgänge 1908-1930 von Skara tidning werden vom Nationalarchiv digitalisiert. Im 2. Quartal 2026 sollen sie in Svenska tidningar zugänglich gemacht werden.

Der 2025 veröffentlichte Kulturkanon, von dem wir in diesem Beitrag berichtet haben, erhält eine digitale Plattform, die von Riksantikvarieämbetet entwickelt werden soll.

Alle bekannten Runeninschriften aus den mittelalterlichen Kirchen Gotlands werden unter Leitung des Riksantikvarieämbetet derzeit digitalisiert.

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