Webressourcen aus Nordeuropa Philologie 1 – 2021

von FID Nordeuropa

Sprachwissenschaft

Wörter des Jahres in Skandinavien im Zeichen von Corona

Die weltweite Ausnahmesituation hat nicht nur Einfluss auf das alltägliche Verhalten im Allgemeinen gehabt, sondern ebenso auf den Sprachgebrauch. Die Auseinandersetzung mit diesen rasanten Neuerungen in den Sprachen haben wir bereits im Blogbeitrag Sprachgebrauch in Corona-Zeiten Ende Juni des letzten Jahres thematisiert.
Jetzt, ein gutes halbes Jahr später, kann resümierend festgehalten werden, dass das gesamte Jahr 2020 auch sprachlich stark von der Pandemie geprägt war bzw., wie es sprichwörtlich in einigen Beiträgen heißt, dass die Sprache in diesem Jahr „mit Corona infiziert“ wurde.
In den Listen der für 2020 prägenden Wörter des dänischen, schwedischen und norwegischen Sprachrates ist das Thema Corona dominierend. In einem Beitrag des dänisches Wörterbuchs auf ordnet, der Plattform für die dänische Sprache in Wörterbüchern und Korpora, wird die Menge der neuen Begriffe hervorgehoben, die durch die Pandemie ihren Weg in die dänische Sprache gefunden haben.
Auch in der Blog- und Podcastwelt wird vor allem dieser Aspekt hervorgehoben. Der Beitrag im Lingoblog kann als Kommentar zur Liste mit neuen Wörtern des dänisches Sprachrates gelesen werden und auch der sprachliche Jahresrückblick auf die Ereignisse in 2020 im Podcast Klog på Sprog werden die Auswirkungen der Pandemie auf den Sprachgebrauch diskutiert.
Wie die Pandemie und die damit einhergehend Digitalisierung die Sprache beeinflusst, wird im norwegischen Podcast Språksnakk (ehemals Språkteigen) besprochen.
Das schwedische Magazin Språktidningen hat in einem Beitrag die Liste der neuen schwedischen Wörter noch einmal detailliert dargestellt und in einer Podcastfolge kommentiert. Im Podcast Språket wird der Rekord an neuen Wörtern für das Jahr 2020 diskutiert.

Die an der Universität Göteborg verankerte Språkbanken hat (und erweitert laufend) ein Korpus zur Dokumentation der sprachlichen Neuerungen durch die Coronapandemie erstellt, das Material aus unterschiedlichen schriftlichen Medien (Zeitungsartikel, wissenschaftliche Artikel, Tweets etc.) enthält. Das stetig wachsende Material soll bald für interessierte Linguist*innen zugänglich gemacht werden.

Literaturwissenschaft

Dänemark

Die dänische Nationalbibliothek verkündet die erfolgreiche Digitalisierung der Trykkefrihedens Skrifter und das angelaufene Scanprojekt, in dem die lateinsprachige Literatur aus Dänemark, gedruckt in den Jahren 1482-1600, mittels OCR gescannt wird.

Finnland

Viele Veranstaltungen im Jahr 2020 mussten abgesagt oder digital abgehalten werden. Dies war auch für die schwedischsprachige Buchmesse in Helsinki der Fall. Die einzelnen Programmpunkte können weiterhin als Youtube-Videos angeschaut werden (per Klick auf „se samtalet här“ bei den jeweiligen Programmpunkten).

Mit Unterstützung unterschiedlicher finnlandschwedischer Stiftungen und Fonds werden dieses Jahr 100 finnlandschwedische Titel über den Verlag Schildts & Söderströms als Hörbuch herausgegeben.

Norwegen

Die norwegische Nationalbibliothek bietet den freien Zugang zu über 20.000 Tonspuren von 78 Platten, die über mehrere Jahre digitalisiert wurden.

Schweden

Die schwedische Buchmesse in Göteborg wurde ebenfalls digital abgehalten. Alle aufgezeichneten Gespräche mit Autor*innen der schwedischen Buchmesse sind kostenlos bis Ende März einsehbar.

Über Litteraturbanken kann Arne Sands Gesamtwerk jetzt online gelesen und durchsucht sowie als EPUB-Format heruntergeladen werden.

Gefördert durch Riksbankens jubileumsfond wird Jenny Bergenmar, vom Institut für Literatur, Ideengeschichte und Religion an der Universität Göteborg, den Aufbau der Datenbank QUEERLIT leiten. In dieser wird ältere und belletristische Literatur gesammelt und indexiert, in der LGBTQIA+-Motive eine Rolle spielen. Das 3-jährige Projekt startet in diesem Jahr und das Resultat soll als Teildatenbank des nationalen Bibliothekssystems Libris veröffentlicht werden.

Dies und das

Eine originelle Idee zur Literaturvermittlung hatte die Stadt Göteborg, indem sie zeitgenössische Gedichte auf Schachtdeckeln verewigt – begonnen mit einem Gedicht der aus Göteborg stammenden Dichterin Lina Ekdahl.